Donnerstag, 5. Februar 2015

KESB muss in unmöglichen Situationen entscheiden


 Als in Flaach eine Mutter ihre beiden Kinder tötete, anstatt wie von der Kinderschutzbehöre (KESB) ins Heim zurückzubringen, tobte das Volk. Weshalb durften die Kinder bis zu einem definitiven Entscheid nicht zu Hause bleiben? Weshalb durften die Kinder nicht zur Grossmutter? Doch was, wenn den Kindern zu Hause oder bei der Grossmutter etwas zugestossen wäre? Dann hätte das gleiche Volk gefragt, weshalb man denen die Kinder nicht schon lange weggenommen hätte. Die Situationen, in welcher die KESB entscheiden muss, oft unter Zeitdruck, sind schmerzhaft und oft äusserst heikel. Prüfen Sie selbst:


Wie hätten Sie entschieden?

  • In einer Arztpraxis sitzt das sechsjährige Kind auf dem Schoss der Mutter und plaudert: "Mama, du hast doch gesagt, dass wir zusammen in den Himmel gehen." Wie würden Sie als Arzt handeln? Eine Gefährdungsmeldung machen? Wie würden Sie als KESB handeln? Das Kind bei der Mutter lassen oder in ein Heim oder eine Pflegefamilie geben?
  • Bei der KESB weiss man von einer Familie mit einjährigen Zwillingen. Es gab verschiedene Gefährdungsmeldungen und Polizeieinsätze. Soll man die Kinder bei den Eltern lassen? Soll man sie den Eltern wegnehmen? Wie hätten Sie entschieden? Die KESB liess die Zwillinge vorerst bei den Eltern. Nun sind die zwei im Spital mit gebrochen Rippen, Blutergüssen und Verbrennungen.
  • Eine drogensüchtige Mutter bekommt ein Kind, kümmert sich aber nicht richtig darum. Die Grossmutter springt ein und nimmt den Säugling zu sich. Der körperliche Entzug des Kleinkindes ist schmerzhaft. Das Kind kommt auch mit sechs Monaten nicht zur Ruhe. Die Grossmutter ist am AnschlagWie würden Sie als KESB handeln? Das Kind bei der Grossmutter lassen oder in ein Heim oder eine Pflegefamilie geben? Die Grossmutter unterstützen? Mit welchen Massnahmen?
  • Eine hochpsychotische Mutter hat eine Mission zu erfüllen. Das zweijährige Kind hindert sie dabei. Deshalb stellt sie es auf die Strasse, wo es zwischen Auto- und Fussgängerströmen herumirrt. Wie würden Sie als KESB handeln? Das Kind bei der Mutter lassen oder in ein Heim oder eine Pflegefamilie geben?
  • Kinder sind in einer Pflegefamilie. Dort läuft es gut und die Pflegekinder verstehen sich gut mit den leiblichen Kinder der Familie. Nun stossen die psychisch belasteten (gestörten?) Eltern massive Drohungen gegen die Pflegeeltern aus. Wie soll die KESB handeln? Die Pflegefamilie unter Polizeischutz stellen? Die Kinder notfallmässig in einem Heim placieren? Die Eltern ins Gefängnis stecken lassen?
  • In einer Familie kommt es zu massiver häuslicher Gewalt. Die KESB erfährt davon, da sowohl Verwandte als auch Nachbarn mehrere Gefährdungsmeldungen machen. Die zwei Kleinkinder seien in höchsten Masse gefährdet. Wie würden Sie als KESB handeln? Die Kinder bei den Eltern lassen oder in ein Heim oder eine Pflegefamilie geben?

Alle diese Fälle sind echt passiert im Laufe des Jahres 2014, irgendwo im Kanton Zürich. Sie zeigen auf, dass die Arbeit der KESB hoch komplex ist und es oft nicht eine klare Antwort gibt, sondern nach vorsichtigem Abwägen ein Entscheid gefällt wird, von dem man erwartet, dass es sich als richtig herausstellt. Die Beispiele zeigen aber auch, wie wichtig die Kommunikation zwischen allen Beteiligten (Nachbarn, Verwandten, Gemeinde, Betroffene, KESB, Ärzte, Schule, etc.) ist; eine eigentliche Quadratur des Kreises, wenn man an den Persönlichkeits und Datenschutz denkt. Deshalb muss die KESB auf ihrer schwierigen Mission eng begleitet werden und wenn nötig die gesetzlichen Vorgaben angepasst.

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