Sonntag, 15. Februar 2015

Sitzplätze für 3000 Pendler: S20 wäre jetzt schon möglich

Das Bundesverwaltungsgericht hat am 12. Februar 2015 die Beschwerde von dreissig Anwohnern – gruppiert in der Interessensgemeinschaft Wendegleis Süd – gegen das Wendegleis Herrliberg-Feldmeilen abgewiesen. Das 35-Millionen-Projekt der SBB sieht eine Entlastung der stark frequentierten S7 durch die neu geplante S20 vor. Mit diesem Entscheid wäre der Weg frei zur einer raschen Einführung der S20.

Aus gut unterrichteten nicht offiziellen Quellen ist jedoch bekannt, dass die Interessengemeinschaft Wendegleis Süd den Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts ans Bundesgericht weiterziehen wird, dies, obschon nur geringste Chancen auf Erfolg bestehen. Das Vorgehen der Interessengemeinschaft ist verwerflich, verhindert ihr obstruktives Verhalten doch Linderung für die Tausenden von Pendler aus Stäfa, Männedorf, Meilen, Küsnacht, die jeden Morgen und Abend in der komplett überfüllten S7 kaum einen Hauch von Fahrqualität verspüren. Mit der Einführung der S20 in den nächsten Monaten und Jahren ist somit nicht zu rechnen.

Es stellen sich folgende Fragen, wie zumindest vorübergehend eine Entlastung der S7 – wenn auch mit instabilerem Fahrplan – bewirkt werden könnte:

  1. Wäre eine Einführung der S20 in den ZVV-Fahrplan möglich, in dem die Weiche 5 im Bahnhof Herrliberg-Feldmeilen weitmöglichst Richtung Erlenbach verlegt würde, die S20 die vorausfahrende S16 somit im Bahnhof Herrliberg-Feldmeilen auf Gleis 1 überholen könnte?
  2. Wäre eine Einführung der S20 in den ZVV-Fahrplan möglich, indem die S16 zu Hauptverkehrszeiten, in denen der Einsatz der S20 geplant ist, bis Meilen weiter fährt, direkt gefolgt von der S20? Die kommunizierten Durchfahrzeiten der S16 und der S20 liessen ein solches «Hintereinanderfahren» im Minutenabstand zu, würde die Sicherheit durch Installation von zusätzlichen Blocksignalen zwischen Herrliberg-Feldmeilen und Meilen gewährleistet.
Schon zum zweiten Mal spielt Lorenz Schmid den Ball dem Regierungsrat zu, damit dieser die SBB aus ihrer Lethargie weckt und es am rechten Seeufer in Sachen öffentlichen Verkehr endlich wieder einen kleinen Schritt weitergeht. Bereits letztes Jahr brauchte es eine Vorstoss der CVP, damit die SBB zumindest das Mögliche überhaupt machten.

Donnerstag, 5. Februar 2015

KESB muss in unmöglichen Situationen entscheiden


 Als in Flaach eine Mutter ihre beiden Kinder tötete, anstatt wie von der Kinderschutzbehöre (KESB) ins Heim zurückzubringen, tobte das Volk. Weshalb durften die Kinder bis zu einem definitiven Entscheid nicht zu Hause bleiben? Weshalb durften die Kinder nicht zur Grossmutter? Doch was, wenn den Kindern zu Hause oder bei der Grossmutter etwas zugestossen wäre? Dann hätte das gleiche Volk gefragt, weshalb man denen die Kinder nicht schon lange weggenommen hätte. Die Situationen, in welcher die KESB entscheiden muss, oft unter Zeitdruck, sind schmerzhaft und oft äusserst heikel. Prüfen Sie selbst:


Wie hätten Sie entschieden?

  • In einer Arztpraxis sitzt das sechsjährige Kind auf dem Schoss der Mutter und plaudert: "Mama, du hast doch gesagt, dass wir zusammen in den Himmel gehen." Wie würden Sie als Arzt handeln? Eine Gefährdungsmeldung machen? Wie würden Sie als KESB handeln? Das Kind bei der Mutter lassen oder in ein Heim oder eine Pflegefamilie geben?
  • Bei der KESB weiss man von einer Familie mit einjährigen Zwillingen. Es gab verschiedene Gefährdungsmeldungen und Polizeieinsätze. Soll man die Kinder bei den Eltern lassen? Soll man sie den Eltern wegnehmen? Wie hätten Sie entschieden? Die KESB liess die Zwillinge vorerst bei den Eltern. Nun sind die zwei im Spital mit gebrochen Rippen, Blutergüssen und Verbrennungen.
  • Eine drogensüchtige Mutter bekommt ein Kind, kümmert sich aber nicht richtig darum. Die Grossmutter springt ein und nimmt den Säugling zu sich. Der körperliche Entzug des Kleinkindes ist schmerzhaft. Das Kind kommt auch mit sechs Monaten nicht zur Ruhe. Die Grossmutter ist am AnschlagWie würden Sie als KESB handeln? Das Kind bei der Grossmutter lassen oder in ein Heim oder eine Pflegefamilie geben? Die Grossmutter unterstützen? Mit welchen Massnahmen?
  • Eine hochpsychotische Mutter hat eine Mission zu erfüllen. Das zweijährige Kind hindert sie dabei. Deshalb stellt sie es auf die Strasse, wo es zwischen Auto- und Fussgängerströmen herumirrt. Wie würden Sie als KESB handeln? Das Kind bei der Mutter lassen oder in ein Heim oder eine Pflegefamilie geben?
  • Kinder sind in einer Pflegefamilie. Dort läuft es gut und die Pflegekinder verstehen sich gut mit den leiblichen Kinder der Familie. Nun stossen die psychisch belasteten (gestörten?) Eltern massive Drohungen gegen die Pflegeeltern aus. Wie soll die KESB handeln? Die Pflegefamilie unter Polizeischutz stellen? Die Kinder notfallmässig in einem Heim placieren? Die Eltern ins Gefängnis stecken lassen?
  • In einer Familie kommt es zu massiver häuslicher Gewalt. Die KESB erfährt davon, da sowohl Verwandte als auch Nachbarn mehrere Gefährdungsmeldungen machen. Die zwei Kleinkinder seien in höchsten Masse gefährdet. Wie würden Sie als KESB handeln? Die Kinder bei den Eltern lassen oder in ein Heim oder eine Pflegefamilie geben?

Alle diese Fälle sind echt passiert im Laufe des Jahres 2014, irgendwo im Kanton Zürich. Sie zeigen auf, dass die Arbeit der KESB hoch komplex ist und es oft nicht eine klare Antwort gibt, sondern nach vorsichtigem Abwägen ein Entscheid gefällt wird, von dem man erwartet, dass es sich als richtig herausstellt. Die Beispiele zeigen aber auch, wie wichtig die Kommunikation zwischen allen Beteiligten (Nachbarn, Verwandten, Gemeinde, Betroffene, KESB, Ärzte, Schule, etc.) ist; eine eigentliche Quadratur des Kreises, wenn man an den Persönlichkeits und Datenschutz denkt. Deshalb muss die KESB auf ihrer schwierigen Mission eng begleitet werden und wenn nötig die gesetzlichen Vorgaben angepasst.