Samstag, 7. November 2015

Kantonsrat Lorenz Schmid impft den Gesundheistdirektor

Thomas Heiniger lässt sich jeden Herbst gegen Grippe impfen, und das nicht erst, seit er Gesundheitsdirektor des Kantons Zürich ist. «Die Impfung ist ein Schutz für mich selber, aber auch ein Akt der Solidarität, damit ich keine anderen Leute anstecke», sagte der FDP-Politiker gestern, als er sich in der Apotheke Paradeplatz von CVP-Kantonsrat Lorenz Schmid die Spritze setzen liess.

Die beiden boten am nationalen Impftag eine kleine Show für die Medien. Heiniger, wie immer in eng geschnittener Kleidung, musste sein Hemd ausziehen, weil sich der Ärmel nicht weit genug hinaufkrempeln liess. Mit nacktem Oberkörper sass er in Modelpose auf der Liege, während Schmid pathetisch zur Tat schritt: Desinfizieren, Stechen, Pflästerli drauf. Eine kurze Behandlung von grosser Bedeutung. Zumal für Verbandspräsident LorenzSchmid. Jahrelang hatte er dafür gekämpft, dass die Apotheker impfen dürfen. Dabei ging es ihm weniger ums Geschäft als um die Stärkung seines Berufsstandes durch zusätzliche Kompetenzen. Dieses Anliegen wurde noch dringender, als die Ärzte im Kanton Zürich das Recht zur Medikamentenabgabe erhielten. Nun wollten im Gegenzug auch die Apotheker ihr Angebot ausbauen. Gesundheitsdirektor Heiniger stand dem Begehren zuerst skeptisch gegenüber, lenkte dann aber auf einen Kompromiss ein: Seit dem 1. September dürfen die Zürcher Apotheker selbstständig gegen Grippe, Hirnhautentzündung durch Zeckenbiss sowie gegen Hepatitis A und B impfen (Letzteres allerdings nur nach Erstimmunisierung durch einen Arzt).

(NZZ, 7.11.2015)

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