Montag, 8. September 2014

Regierungsrat verkennt die Situation

Die Antworten des Regierungsrates auf die dringliche Anfrage von Kantonsrat Lorenz Schmid (CVP Männedorf) zur Einführung von altem Rollmaterial auf der S7 sind in groben Zügen wie erwartet ausgefallen. Interessant ist vielleicht, dass die Linie Zürich-Meilen-Rapperswil nicht mehr die meistfrequentierte Linie im Zürcher Vorortsverkehr ist; andere Regionen, mit besserem Angebot, haben in den letzten Jahren nicht nur auf-, sondern auch überholt.

In zwei Punkten muss dem Regierungsrat jedoch in aller Form widersprochen werden. Da sowohl S7 als auch S5 nach Rapperswil führen, wären für den Einsatz der beliebten Siemens-Niederflurzüge tagsüber und am späten Abend auf der S7 keineswegs zusätzliches Personal und teure Leerfahrten nötig. Ob eine abgehängte Komposition in Rapperswil aufs Abstellgleis oder aufs Gleis 1 fährt, ist betrieblich mit ähnlich grossem Aufwand zu bewerkstelligen.

Auch ist die Kennzeichnung der alten Züge, die einen niederflurigen Wagen mitführen mit einem speziellen Zeichen im elektronischen Kursbuch nur für Schreibtischtäter ein Gewinn. Gehbehinderte, Eltern mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer können in den zwanzig Sekunden, die eine S-Bahn hält, unmöglich am bis zu zwölf Wagen langen Zug entlang rennen, um den Tiefeinstieg zu finden. Wäre es dem Regierungsrat Ernst in der Sache, würde er bei den SBB darauf drängen, dass an den elektronischen Abfahrtsanzeigern innert Kürze nicht nur die Wagenklasse, sondern auch die Niederflurwagen angezeigt würden. Technisch wäre dies einfach und mit geringem Aufwand möglich. Vielleicht sollten sich die Gnädigen Herren einmal statt in der Staatskarosse von einem Weibel im Rollstuhl per S-Bahn in den Bezirk Meilen chauffieren lassen. Dann verstünden sie die Nöte und Anliegen der hiesigen Bevölkerung vielleicht etwas besser und würden ausser Papier auch konkrete Verbesserungen produzieren.
12.9.2014

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