Samstag, 13. September 2014

Tagsüber wären Siemens-Züge auf der S7 möglich

Hier in Rapperswil irrt die Regierung gewaltig: Würde tagsüber die S5 auf einem anderen Gleis einfahren, könnten nicht benötigte Verstärkungswagen innert Minuten als S7 weiterfahren. Ohne Rangierfahrten, ohne zusätzliche Lokomotivführer. Der Regierungsrat liess sich von den SBB einen grossen Bären aufbinden.

Solche Kompositionswechsel waren in den 1980er-Jahren über Gleis 2 durchaus gang und gäbe.

Montag, 8. September 2014

Regierungsrat verkennt die Situation

Die Antworten des Regierungsrates auf die dringliche Anfrage von Kantonsrat Lorenz Schmid (CVP Männedorf) zur Einführung von altem Rollmaterial auf der S7 sind in groben Zügen wie erwartet ausgefallen. Interessant ist vielleicht, dass die Linie Zürich-Meilen-Rapperswil nicht mehr die meistfrequentierte Linie im Zürcher Vorortsverkehr ist; andere Regionen, mit besserem Angebot, haben in den letzten Jahren nicht nur auf-, sondern auch überholt.

In zwei Punkten muss dem Regierungsrat jedoch in aller Form widersprochen werden. Da sowohl S7 als auch S5 nach Rapperswil führen, wären für den Einsatz der beliebten Siemens-Niederflurzüge tagsüber und am späten Abend auf der S7 keineswegs zusätzliches Personal und teure Leerfahrten nötig. Ob eine abgehängte Komposition in Rapperswil aufs Abstellgleis oder aufs Gleis 1 fährt, ist betrieblich mit ähnlich grossem Aufwand zu bewerkstelligen.

Auch ist die Kennzeichnung der alten Züge, die einen niederflurigen Wagen mitführen mit einem speziellen Zeichen im elektronischen Kursbuch nur für Schreibtischtäter ein Gewinn. Gehbehinderte, Eltern mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer können in den zwanzig Sekunden, die eine S-Bahn hält, unmöglich am bis zu zwölf Wagen langen Zug entlang rennen, um den Tiefeinstieg zu finden. Wäre es dem Regierungsrat Ernst in der Sache, würde er bei den SBB darauf drängen, dass an den elektronischen Abfahrtsanzeigern innert Kürze nicht nur die Wagenklasse, sondern auch die Niederflurwagen angezeigt würden. Technisch wäre dies einfach und mit geringem Aufwand möglich. Vielleicht sollten sich die Gnädigen Herren einmal statt in der Staatskarosse von einem Weibel im Rollstuhl per S-Bahn in den Bezirk Meilen chauffieren lassen. Dann verstünden sie die Nöte und Anliegen der hiesigen Bevölkerung vielleicht etwas besser und würden ausser Papier auch konkrete Verbesserungen produzieren.
12.9.2014

Mittwoch, 3. September 2014

Regierungsrat kneift - die Antworten

Auf die Anfrage von Kantonsrat Lorenz Schmid, Männedorf, vom 23. Juni 2014, gibt der Regierungsrat am 3. September eher ausweichende Antworten:

I. Die Anfrage Lorenz Schmid, Männedorf, wird wie folgt beantwortet: 
Zu Fragen 1 und 2: Die Pünktlichkeit ist ein wichtiger Faktor, damit das Gesamtsystem des öffentlichen Verkehrs zuverlässig funktioniert. Im Jahr 2013 verzeichnete die Zürcher S-Bahn die schlechtesten Pünktlichkeitswerte der vergangenen zehn Jahre. Eine Hauptursache dafür sind die häufigen Verspätungen auf der Linie S 5, die aufgrund der hohen Netzauslastung unweigerlich Auswirkungen auf andere S-Bahnlinien haben. Demgegenüber sind die Pünktlichkeitswerte der S 7 im Vergleich zu anderen Linien gut.

Mit einem geänderten Rollmaterialeinsatz versuchen die SBB, die Pünktlichkeit auf dem ganzen Netz zu verbessern. Auf dem Zürcher S-Bahn-Netz verkehren zurzeit drei Generationen von Doppelstock - zügen. Die S-Bahn-Doppelstockzüge der ersten Generation stellen mit mehr als der Hälfte der S-Bahn-Flotte immer noch das Rückgrat der Zürcher S-Bahn dar und werden deshalb auf vielen Strecken eingesetzt. Sie werden zurzeit modernisiert, mit Klimaanlagen ausgerüstet und mit niederflurigen Zwischenwagen ergänzt. Bis Dezember 2014 werden bereits drei Viertel der Zugseinheiten über einen klimatisierten Niederflurwagen verfügen. Das Modernisierungsprogramm wird Anfang 2017 abgeschlossen sein.

Die Züge der zweiten und der dritten Generation sind vollständig niederflurig. Die Kompositionen der zweiten Generation ermöglichen gegenüber der ersten Generation leicht kürzere Fahrzeiten, mit Zügen der dritten Generation können die Fahrzeiten nochmals verkürzt werden. Deshalb werden seit dem Fahrplanwechsel im Juni 2014 auf der S 5 Doppelstockzüge der zweiten Generation eingesetzt. Die bisher auf der S 5 verkehrenden Doppelstockzüge der ersten Generation werden auf den Linien S 7 und S 14 eingesetzt. Andere Gründe als die Verbesserung der Pünktlichkeit lagen diesem Entscheid nicht zugrunde.

Zu Frage 3: Die Auslastung der einzelnen Kurse wird von den SBB erhoben. Die Auswertung zeigt, dass die S 7 in den Spitzenzeiten zwar über hohe Frequenzen verfügt, dass aber Kurse anderer S-Bahn-Linien im ZVV-Gebiet noch stärker ausgelastet sind. Unter den 50 am stärksten belasteten S-Bahn-Kursen sind sieben Züge der S 5 und zwei Züge der S 7 zu finden (Ankunft in Zürich HB um 07.18 Uhr und 07.48 Uhr). Die Züge verkehren bereits mit der Höchstlänge. Zusätzliche Züge können infolge der sehr starken Auslastung der Bahninfrastruktur nicht geführt werden. Am rechten Zürichseeufer wird aber im Rahmen der Ausbauten der 4. Teilergänzungen der Zürcher S-Bahn eine neue S-Bahn-Linie (S 20) eingeführt werden. Sie wird während den Hauptverkehrszeiten die S 7 entlasten. Ihre Einführung wird sich allerdings durch Einsprachen von Anwohnenden verzögern.

Zu Frage 4: Eine Mischtraktion von Doppelstockzügen der ersten und der zweiten Generation ist aus leittechnischen Gründen nicht möglich. Im Rahmen des Modernisierungsprogramms wurde die Option einer Mischtraktion geprüft, jedoch wegen der grossen technischen Komplexität sowie Problemen mit der Fahrdynamik nicht weiterverfolgt. Eine Mischtraktion mit Doppelstockzügen der dritten Generation ist wegen unterschiedlicher Kupplungen nicht möglich. Die Doppelstockzüge der ersten Generation werden durch einen niederflurigen Zwischenwagen (NDW) ergänzt und damit auch für Behinderte barrierefrei zugänglich sein. Auf der S 7 werden ab Dezember 2014 im Durchschnitt 83% der Züge über mindestens einen NDW verfügen, Anfang 2016 werden es 100% sein. Die Kundinnen und Kunden werden im ZVV-Online-Fahrplan und im ZVV-Fahrplan-App über barrierefreie Verbindungen informiert.

Zu Frage 5: Ein Teil der auf der S 5 eingesetzten Doppelstockkompositionen der zweiten Generation steht Montag bis Freitag zwischen 10 und 14 Uhr sowie ab 20 Uhr in der Fahrzeuginstandhaltung oder auf Abstellgleisen, da die Züge wegen geringerer Nachfrage nicht mit Höchstzugslänge geführt werden müssen. Für einen Einsatz der abgestellten Fahrzeuge anstelle der Fahrzeuge der ersten Generation auf der S 7 wären zusätzliche Lokführer notwendig und es würden zahlreiche Leerfahrten entstehen, um die Tauschfahrzeuge an die Linienendpunkte der S 7 zu führen und anschliessend wieder zurückzubringen. Auch müssten die nicht benötigten Fahrzeuge der ersten Generation der S 7 weggestellt und wieder abgeholt werden. Ein Einsatz auf der S 7 könnte tagsüber nur rund zwei bis drei Stunden und abends drei Stunden dauern. Ein Einsatz der tagsüber abgestellten Fahrzeuge anstelle der Kompositionen der ersten Generation wäre ineffizient sowie zeit- und kostenintensiv, was zu einem schlechten Kosten-Nutzen-Verhältnis führen würde. Aus diesen Gründen wird auf einen Austausch von Doppelstockzügen der ersten mit jenen der zweiten Generation ausserhalb der Stosszeiten verzichtet.